Menschen

Brasilien ist ein multikultureller Vielvölkerstaat. Brasilien ist Heimat der Nachfahren der Ureinwohner, von Portugiesen, Spaniern, Deutschen, Italienern, Japanern, Angolanern, Mozambiquanern und anderen. João U. Ribeiro, bekannter brasilianischer Schriftsteller, hat einmal über seine Landsleute gesagt: "Wir werden uns immer mehr vermischen, immer deutlicher zeigen, dass es nur eine Menschheit gibt, in der alle gleich sind und gleichzeitig wunderbar verschieden, ohne das dies Überlegenheit oder Minderwertigkeit bedeutet." Der bekannte Soziologe Gilberto Freyre sagte: "... Brasilien ist das Land der ethnologischen Demokratie, in dem die Völkervermischung nicht nur neue menschliche Wesen schafft, sondern auch eine neue Zivilisation."

Angesichts dieser Vermischung gestaltet sich eine Abgrenzung einzelner ethnischer Gruppen schwierig. Dennoch für die Zahlenfreunde: Eine Statistik unterteilt die Bevölkerung in etwa 38% Mischlinge, 55% Weiße, 6% Schwarze, 0,4% Asiaten und 0,2% Indianer. Eine andere spricht von etwa 22% Mulatten, 15% portugiesischer Abstammung, 12% Mestizen, 11% Italiener, 11% Afrikaner und 10% Spanier. Die restliche Bevölkerung setzt sich aus Deutschen, Japanern und den Nachfahren der präkolumbianischen Bewohner zusammen.

Gruppen deutscher, italienischer und japanischer Einwanderer siedelten sich im südlichen Teil des Landes an, wo diese ethnischen Gemeinschaften heute noch bestehen. Brasilien beheimatet die größte japanische Gemeinde außerhalb Japans. Die afro-brasilianische Bevölkerung lebt zumeist in den nordöstlichen Bundesstaaten, wie z.B. in Bahia. All diese Gruppen haben einen großen Anteil an der Gestaltung dervielfältigen, brasilianischen Kultur.

Von den Ureinwohnern vermischte sich nur ein kleiner Teil nicht mit anderen Volksgruppen. Viele von ihnen leben im Amazonasgebiet. Einige hatten noch nie Kontakt zur modernen Außenwelt. Die Eingeborenenvölker sind in ihren traditionellen Gebieten durch die Beeinflussung der "zivilisierten" modernen Welt durch Straßen, Flugplätze, Bergbau und Waldrodung in ihrer Existenz bedroht.
Unzählige indigene Völker bewohnten schon seit Jahrtausenden die Küstenregionen und das Inland entlang der Flüsse. Stämme sind die Tupi, Xingú, Yanomami, Kuliná, Kaxinawá, Guarani, Kaiowa, Zoé, Waimiri-Atroari.

Die regionale Verteilung der Bevölkerung in Brasilien ist sehr ungleich. Ungefähr 90% der Menschen leben auf 10% der Landesfläche. Am dichtesten besiedelt ist der Küstenbereich vom Süden bis in den Nordosten. Der größte Teil, ca. 44%, lebt in den südöstlichen Bundesstaaten, 29% leben im Nordosten, 15% im Süden, 6% im Mittelwesten und ebenfalls 6% im Norden. Entsprechend schwankt die Bevölkerungsdichte zwischen ca. 300 EW/km² in Rio und 2 in Roraima im Amazonasgebiet. Etwa 80% der brasilianischen Bevölkerung leben in städtischen Ballungsgebieten. Das hat zwei wesentliche Ursachen: Zum einen die jahrzehntelange wirtschaftspolitische Bevorzugung der Industrie und des Dienstleistungssektors gegenüber der Landwirtschaft. Zum anderen die Verhinderung einer einschneidenden Landreform durch die konservativen Großgrundbesitzer. Auf diese Weise konnte mit Ausnahme weniger Regionen, vor allem im Süden, kein bäuerlicher Mittelstand entstehen und es kam zu einer Landflucht verarmter Menschen in die Slums der explosiv und chãotisch wachsenden Städte.

Ureinwohner
Man schätzt die Zahl der indianischen Ureinwohner zum Zeitpunkt der Entdeckung Brasiliens 1500 auf 2,5 bis 6 Millionen. Es gab vier Sprachgruppen, zwei davon die Arush und die Kariben, finden sich auch in Zentralamerika und im Karibischen Becken, was auf einen gemeinsamen Ursprung schließen lässt. Die Anthropologen sind sich seit einiger Zeit darüber einig, dass die Vorfahren der Indianer beider Amerikas über die Beringstrasse aus Zentralasien einwanderten.
Insbesondere der Stamm der Tupi tat sich hervor und beherrschte allmählich sowohl die Küste als auch Gebiete entlang der großen Flüsse einschließlich des Amazonas. Als die portugiesischen Kolonialisten um 1500 zum ersten Mal in Brasilien an Land gingen, gab es etwa so viele Tupi-Indianer wie Einwohner Portugals, ca. 1 Million. Viele Orte, Flüsse, Berge, Strände, Pflanzen, Tiere und Früchte tragen heute noch indianische Namen, vornehmlich aus der Sprachfamilie Tupi-Guarani, die über eine lange Zeit als zweite Amtssprache in Brasilien galt. "Fast alle Einwohner Brasiliens stammen von den Indios ab" - so lauten die Ergebnisse jüngster historischer Forschungen. "Vor der Heirat wurden die Indianerinnen getauft und bekamen einen europäischen Namen, deswegen sind die Spuren der Vermischung so schwer zu verfolgen", beschreibt die Historikerin Maria Beatriz Nizza da Silva. Doch ohne das Zusammenleben mit den Indios hätten die Portugiesen in der Neuen Welt nicht überleben können.
 
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