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Brasilien hat ein präsidiales Regierungssystem. Mit der Verabschiedung
einer neuen Verfassung im Jahre 1988 wurden den Brasilianern das
Recht der freien Rede sowie das Streikrecht zugebilligt und Folterungen
verboten. Diese Verfassung räumte allen Staatsbürgern ab 16 Jahren
auch das Wahlrecht ein, selbst wenn sie nicht lesen und schreiben
können. Die aktuelle Verfassung wurde im März 1994 verabschiedet
und 1997 letztmals geändert. In ihr wurde die Selbstverwaltung der
Indianerreservate verankert und eine vierjährige Amtszeit des Präsidenten
festgelegt.
Wahlen sind farbenfreudige Angelegenheiten und werden von den Brasilianern
als Vorwände für weitere Feste genommen. Dann bedecken Wahlplakate
jede noch so kleine Fläche an Wänden und Autokonvois fahren durch
die Städte, um dabei als Unterstützung für den jeweiligen Wahlkandidaten
so viel Krach wie möglich zu erzeugen.
Im Jahre 1994 wurde Fernando Henrique Cardoso zum Präsidenten gewählt.
Er war gerade einmal der zweite Präsident des Landes innerhalb von
32 Jahren, der durch demokratische Wahlen ins Amt kam. Während seiner
ersten Amtszeit wurde er so beliebt, dass er die Präsidentschaftswahlen
vom Oktober 1998 bereits im ersten Wahlgang mit absoluter Mehrheit
erneut für sich entscheiden konnte. Wichtige politische Ämter haben
neben dem Präsidenten die Gouverneure wichtiger Bundesstaaten und
die Bürgermeister der Millionenstädte inne. Diese Exekutivämter
werden in allgemeinen in direkten Wahlen besetzt, was den Amtsinhabern
eine große Unabhängigkeit verleiht.
Am 27. Oktober 2002 erhielt der Sozialist Lula da Silva mit 52,7
Millionen Stimmen das beste Ergebnis, das bei Präsidentschaftswahlen
in Brasilien je erzielt worden ist. Bei einer Wahl von Lula prophezeiten
Gegner, Wirtschaftsexperten und ausländische Investoren eine erneute
Finanz- und Wirtschaftskrise, die aber nicht eintrat. Er genießt
in der Bevölkerung eine breite Unterstützung, da er aus einfachen
Verhältnissen stammt und dringende Sozial- und Bodenbesitzreformen
versucht durchzusetzen. Seine Amtszeit geht bis 2006.
Wirtschaft
Das Land hat immense natürliche Ressourcen, ist der weltweit größte
Kaffeeproduzent, der zweitgrößte Produzent von Sojabohnen und einer
der größten Zucker- und Orangensaftexporteure. Es hat enorme Gold-,
Silber- und Erzvorkommen. Die brasilianische Wirtschaft nimmt weltweit
eine der führenden Positionen ein, trotzdem ist die Staatsverschuldung
durch chaotische Haushaltsführung sehr hoch.
Trotz der enormen natürlichen und wirtschaftlichen Ressourcen
leben ca. 30 Mio. Brasilianer unter der Armutsgrenze. Schätzungsweise
80% des Farmlandes befinden sich im Besitz von nur 10% der Landwirte.
Vor allem im Nordosten hat sich an der Besitzstruktur, die auf der
Latifundienwirtschaft der Feudalzeit beruht (Latifundien: Bewirtschaftung
eines Großgrundbesitzes durch abhängige Bauern), nicht
viel geändert.
Mit einer Reihe von Wirtschaftsplänen und Währungsreformen versuchten
die wechselnden Regierungen vergeblich, den Teufelskreis aus Preissteigerungen
und Währungsverfall zu durchbrechen. Erst nach 1995 konnte mit einer
Währungsreform eine solide Grundlage für beständiges Wirtschaftswachstum
und Preisstabilität geschaffen werden. Die Inflation sank von monatlich
50% (Juni 1994) auf ca. 10% im Jahresdurchschnitt, bei gleichzeitig
deutlichem Wirtschaftswachstum. Zum ersten Mal seit vielen Jahren
konnten gerade auch die ärmeren Brasilianer über ein steigendes
Realeinkommen verfügen, die Einkommens- bzw. Vermögensverteilung
ist aber immer noch sehr unausgeglichen.
Währungspolitik
1994 wurde eine auf Stabilität und Inflationsbekämpfung ausgerichtete
Wirtschafts- und Finanzpolitik eingeleitet, der "Plano Real". Mit
der Einführung der neuen Währung 1995, dem Real (Plural: Reais),
konnte die Inflationsrate von über 1.000% (Ende 1994) auf einstellige
Werte gesenkt werden. Nach steigenden Defiziten der Leistungsbilanz
musste die Zentralbank im Januar 1999 den Wechselkurs des Real freigeben,
was zu einer starken Abwertung gegenüber dem US-Dollar führte.
Seither verfolgt Brasilien eine Politik freier Wechselkurse. Ausgelöst
durch die Zuspitzung der Wirtschaftskrise in Argentinien geriet
der Real Mitte 2001 erneut unter Druck. Das mit den Wahlen im Oktober
2002 verbundene politische Risiko führte darüber hinaus zu einer
weiteren Abwertung des Real. Ende 2002 stieg die Inflation aufgrund
der Abwertung erstmals wieder über 10 %. Die Geldpolitik, zuvor
an den US$ gebunden, orientiert sich jetzt an Inflationszielen.
Nach der Abwertung des Real ist Brasilien als Reiseziel wieder viel
attraktiver geworden, insbesondere für europäische Reisende.
Der derzeitge Wechselkurs zum Euro beträgt 3,7 Reais.
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